vague.

"Ich, wie ich heimlich Porträts zeichne".

Visual Diary: 90 Seiten, auf jeder vier quadratische Rahmen, in die man zeichnen kann, auf der Hälfte der Seiten schon mit Bildunterschriften. Es ist das schönste Buch seit langem, vielleicht auch, wenn ich gar nichts in die Kästen zeichne, weil die Zeichnungen dann imaginär bleiben, wahrscheinlich eher wegen der Bildunterschriften: „Tiere, die ich heute gegessen habe“ steht da beispielsweise links oben, daneben „Tiere, die ich heute gesehen habe“, in der Zeile darunter „Tiere, die ich heute berührt habe“ und „Tiere, die mich heute gesehen haben“. Sofort rumort einiges los im Bewusstsein: Welche Gefühle hat man, wenn man das Tier zeichnet, dessen Speck man verschlungen hat, was sagt es über sein Leben aus, wenn man kaum je Tiere berührt, warum denke ich sonst nie darüber nach, welche Tiere mich sehen, wie sie mich sehen, was ihnen durch ihre Tiergehirne puckert, wenn sie mich sehen? So geht das dahin in diesem Tagebuch, das einem freundlicherweise keine Chronologie vorschreibt, man kann mittendrin anfangen und irgendwo anders weitermachen, „Grünes, heute gesehen“ wird einem vorgeschlagen, „Interessante Haustüren, heute dran vorbeigegangen“ oder „8:48 Uhr“, „13:25 Uhr“, „16:57“ Uhr, „21:39 Uhr“.

Verfasst hat das Visual Diary Ferdinand Lutz, Autor, Zeichner, Verleger und Mitherausgeber eines Comic-Magazins für Kinder.

& wenn ich schon dabei bin: die Meisterwerke der Kritzelei!

Schwimmen.

Liquid-supercomputer facilities of the near-future might thus resemble not server farms but aquatic centers, sealed interiors lined with reflecting pools kept in different electromagnetic regimes. Although the air inside is utterly still, you watch as small ripples bounce and roll across the surface of each pool, depths triggered by equations. Thinking machines masked as hydrologic infrastructure. Cisterns and aqueducts. Computational hydrology.

Numbers Pool

Kreissparkasse Starnberg

Roman Bunka ist tot.

Es stand vor ein paar Tagen in der „Kürzlich Verstorbene“-Rubrik auf der Wikipedia-Startseite. & sofort fiel mir wieder mein Glück ein, als ich mir, es wird 1977 gewesen sein, zuhause die Surfin’-Platte auflegte, die mir der Verkäufer in dem kleinen Indie-Schallplattenladen in Linz, in dem ich immer kaufte, empfohlen & angespielt hatte: Embryo mit Charlie Mariano, ein Hybrid aus Rock, Jazz, Funk und ein wenig Weltmusik, wie das irgendwann genannt zu werden begann, weil sich niemand die Mühe machte, Namen für Musik zu finden, die nicht aus Europa und Nordamerika kam, es war eine sehr perkussive Musik, vertrackte Rhythmen, irgendwie wartete ich immer darauf, dass etwas ausbrach, ein Drama losging, tat es aber nicht, keine Exaltationen.

Ich mochte, was der Gitarrist tat, kleine Funk-Miniaturen, dann wieder ließ er das Instrument singen.

So habe ich den Namen Roman Bunkas kennengelernt und seltsamerweise nie wieder vergessen, aber ich habe längst aufgehört, mich darüber zu wundern, was mein Gedächtnis speichert, manches und mancher Namen bleibt einfach da. Andere Embryo-Platten habe ich nie so sehr gemocht wie Surfin’, aber ich habe selten in sie rein- und sie noch seltener durchgehört, was möglicherweise daran lag, dass ich Surfin’ schon so mochte, dass ich gar nicht mehr dazu kommen wollte, etwas anderes von Embryo auch noch zu mögen, doch Surfin’ blieb mir heilig, ein schönes Glücksgefühl, das sich verlässlich jedes Mal einstellte, wenn ich es alle paar Jahre hörte, aus mir nicht erklärlichem Grund spielte ich es mir hin und wieder vor.

Ich habe nie gehört, was Roman Bunka sonst noch gemacht hat, er muss, entnimmt man den Nachrufen, ein grandioser Oud-Spieler gewesen sein, hat Hörspiele und Filmmusiken geschrieben und war wohl ein interessanter und angenehmer Mensch, der nie aufgehört hat, sich für die Welt und die Musiken, die es in ihr gibt, zu interessieren, offenkundig war er ständig auf Reisen und spielte, wo er hinkam, mit Musikern, die dort lebten.

Es gibt auf YouTube Werner Penzels Film Vagabunden Karawane, über eine acht Monate dauernde Reise, die Embryo 1978 nach Indien übernommen hat, 23 Menschen, die in vier betagten Bussen (auf einem steht Kreissparkasse Starnberg) via Iran, Afghanistan und Pakistan nach Indien fahren, & ich kann nicht aufhören, diesen Film großartig zu finden, auch wenn der Besserwisser, der Ideologiekritiker und der Styler in mir immer mal wieder für Sekundenbruchteile protestieren wollen: Da müsste doch gesagt werden, denken sie in mir los, dass das Exotismus, naiv, kulturelle Aneignung usw. ist, da müsste doch etwas über Politik (1979 war im Iran die islamische Revolution), die Weltlage, die unfassbare Armut gesagt werden, darüber, dass man immer wieder nur erschreckend viele Männer und erschreckend wenige Frauen zu sehen bekommt, und dieser ganze Zirkus-, Feuerschlucker-, Clown- und Stelzengeherkram geht irgendwie auch nicht,

aber dann sehe ich diesen Leuten dabei zu, wie sie sie in ihren Hippie-Bussen nach Indien fahren und auf dem Weg ihre Musik vorspielen und mit den Menschen auf ihrem Weg gemeinsam Musik machen, und im Bus läuft der Alabama Song mit Lotte Lenya und nach dem Regen dampfen die Dächer und in Kalkutta hängen sich Menschen an die Straßenbahnen und hin und wieder bricht jemand ins Tanzen aus, und bin glücklich und denke, wie großartig das ist, und bin wem auch immer dankbar, aber auf jeden Fall Roman Bunka auch.

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