Immer alberner am Gegenwartskapitalismus: sein Drang, zu werden wie die ehemals kommunistischen Staaten, die er durch Kreditvergabe und Wettrüsten befreit hat. Es gibt Geld, aber nur die Nomenklatura kann was kaufen. Facebook sammelt die privaten Leben ein (20:03 Treffen mit Dingsbums, Dangsbems und Dungsbims, 00:03 Konsum von Westfernsehen, immerhin abfällige Bemerkungen) und erklärt sie für sein eigenes Eigentum. Alles, alles, alles geht ins Überleben des Staates. Ständig werden einem die Ziele des III. Rettungsprogramms in die Gehirne gedrückt, Wirgefühle beschworen, die historischen Notwendigkeiten behechelt, alle gesellschaftlichen Kampf- und Massenorganisationen machen mit, irgendwann werden die Leute Gras fressen, aber die Führer führen uns einer lichtvollen Zukunft entgegen, wirst sehen, nach dieser Übergangsphase gehts wieder aufwärts.

[Für den Kommunismus habe ich mich lange aus einem Grund interessiert, den mir keiner glauben wird: Er war für mich eine Bewegung (theoretisch, eh klar, die wirklichen Kommunisten, die ich kannte, waren meistens Dolme, die ihre eigene Sache nie kapiert haben), die wusste, dass man die Produktion vernünftig vergesellschaften muss (die Nowendigkeit, den Hunger, die Industrie etc.), damit man endlich von der Gesellschaft in Ruhe gelassen wird. Nichts ist ja so zäh und trostlos wie der soziale Verkehr. Gut reden, leben usw. schafft man mit vier, zehn, zwanzig, vielleicht noch mit fünfzig Leuten, aber danach ist es unskalierbar. Immer, wenn ich Marx gelesen hattee, dachte ich: hey, da will einer die Gesellschaft loswerden, da bin ich dabei. Man macht sich aus, was man zum guten Leben braucht, rechnet aus, wie viel Arbeit und Gesellschaftlichkeit man dafür aufwenden muss, teilt die Arbeit so auf, dass jeder sich so wenig wie möglich aufreiben muss, dann arbeitet man zwei Stunden am Tag, oder einen Tag in der Woche für die Mehrung des Gebrauchswertreichtums der Gesellschaft, den Rest der Zeit hat man Ruhe und wird nicht belagert von Gemeinschaftsappellen, Stimmungsdirektiven und was es nicht alles gibt. ¶ Nicht, dass mir das Aparte an meinem Gedenke nicht selbst öfter mal peinlich vorkommt.]